arzneimittel

Tauchers Arzneikiste

Vorfreude ist allgemein die schönste Freude.Das trifft besonders auf
den lang ersehnten Tauchurlaub zu. Doch vor dem Kofferpacken
sollte vor allem die Reiseapotheke auf Vordermann gebracht werden.
Einige der empfohlenen Medikamente sind nämlich rezeptpflichtig,
also muss der Hausarzt aufgesucht werden. Eine Reiseapotheke auf
Kassenrezept gibt es übrigens nicht: Für solche Zwecke darf der Arzt
nur Privatrezepte ausstellen.
Die Reiseapotheke für jedermann gibt es nicht, denn ein Tauchurlaub
an der Ostsee erfordert weniger an mitgenommenen Medikamenten
als beispielweise ein Tauchurlaub auf einem Tauchschiff oder in
Vietnam.

Vorbereitung

Wichtiger noch als die Reiseapotheke
selbst ist die überlegte Vorbereitung
der Reise: Dazu gehört, dass Reisende
in tropische Gegenden sich rechtzeitig
über Impfempfehlungen und
Malariaprophylaxe informieren sollten.
Ein Blick in den Impfpass kann auch
nicht schaden, um zu überprüfen, ob
Auffrischimpfungen notwendig sind.
Soll die Reise mit Kindern
unternommen werden, empfielt es
sich zudem, Urlaubsziele mit erhöhtem
Malariarisiko und dem damit
verbundenen Zwang der
entsprechenden Prophylaxe zu
meiden.

                                                                                Bei der Reiseapotheke sollte
zunächst an das einfachste gedacht werden: Pflaster und Verbandsmaterial.
Kleinere Riss- und Schürfwunden sind relativ häufig, aber nur dann leicht
zu versorgen, wenn entsprechendes Material vorhanden ist. Dazu gehört
auch eine elastische Binde und Desinfektionslösung. Recht gut bewährt hat
sich hier beispielsweise das Mittel “Mercuchrom”, das durch seine
auffällige orange Färbung noch den Nebeneffek hat, dass man abends an
der Taucherbar auch entsprechend bedauert wird. Zum Auftragen der
Lösung sind Wattestäbchen sehr gut geeignet, die daher ebenfalls ins
Gepäck gehören (aber nicht für die Ohren!).

Lästiges Jucken

Ebenfalls sehr häufig sind
Sonnenbrand und Insektenstiche.
Dadurch können sehr leicht die
schönsten Wochen des Jahres
verdorben werden. Antiallergisch
wirkende Salben und Gels lindern bei
Sonnenbrand, Insektenstichen und
sogar bei leichteren Nesselverlet-

zungen durch Meeresbewohner. Gut geeignet sind zum Beispiel die
folgenden Präparate: “Fenistil Gel”, “Soventol”, “Systral Gel” oder “Tavegil
Gel”. Bei kleineren, harmlosen Stichen tut es als erstes auch ein  “Azaron”-
Stift.

Die Anwendung von oralen Antiallergika und Antihistaminika, also
Tabletten gegen allergische Symptome (zum Beispiel Sonnenallergie), ist
für Taucher hingegen nicht in gleichem Maße empfehlenswert, da die
Sicherheit beim Tauchen durch diese Medikamente beeinträchtigt wird. Ist
die Einnahme unumgänglich, sollte auf das Tauchen verzichtet werden. Zur
Linderung von Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen sollte das
Medikament “Paspertin” oder “Vomex A” in keiner Reiseapotheke fehlen.
Auch hier sei jedoch darauf hingewiesen, dass durch die spezifischen
Nebenwirkungen die Sicherheit beim Tauchen stark beeinträchtigt sein
kann.

Besonders “Paspertin” ist für die Behandlung der Reise- oder Seekrankheit
wenig geeignet. Deshalb mein Tipp: die individuelle Wirkung des
Medikamentes vor Antritt der Reise zu Hause testen. Medikamente mit
guter Wirksamkeit sind auch “Peremesin”, “Scopoderm TTS Pflaster” oder
“Bonamine” (identisch mit “Peremesin”).

Montezumas Rache

Häufige Probleme im Urlaub sind bei
allen Reisenden Darminfektione und
daraus resultierende
Durchfallerkrankungen. Sie werden
verursacht durch klimatische
Veränderungen, unsaubere
Lebensmittel, Bakterien und Viren.
Durchfallerkrankungen führen zu
ausgeprägten Flüssigkeitsverlusten,
die, besonders bei Kindern, rasch
problematisch werden können.
Das wichtigste bei

Durchfallerkrankungen ist der Ausgleich des Flüssigkeits- und
Salzverlustes. Hier sind fertige Präparate wie zum Beispiel “Elotrans”
empfohlen. Gleichzeitig bedeutet ein Flüssigkeitsverlust für Taucher die
erhöhte Gefahr eines Dekompressionsunfalls. Deshalb also viel trinken!
Die Vorbeugung ist jedoch das Entscheidende. Hier gilt die Regel, vor
allem für die tropischen Länder: “Egal was Du essen möchtest: koche es,
brate es, schäle ews - oder vergiss es!”

Kommt es trotz aller Vorsicht doch zu Durchfallerkrankungen, so leistet
“Imodium” gute Dienste. Hier sollten jedoch Tropfen gewählt werden, weil
der “Durchmarsch” manchmal schneller sein kann als die Auflösung der
Kapsel. Taucher müssen außerdem mit dem Auftreten von
Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit rechnen, so dass das Tauchen
beeinträchtigt sein kann.

Wenn der leichte Schmerz kommt

Keinesfalls dürfen leichte
Schmerzmedikamente fehlen. Hier
kommen sowohl “Aspirin” als auch
“ben-u-ron”, das wie das bekanntere
“Paracetamol” wirkt, in Frage. Beide
Medikamente wirken sowohl gegen
leichtere Schmerzen als auch
fiebersenkend. Bei Aspirin ist zu
beachten, dass gelegentlich der Magen
empfindlich auf die Einnahme reagiert
und die Gerinnungsfähigkeit des Blutes
beeinträchtigt ist. Diese Nebenwirkung
ist im Hinblick auf einen Deko-Unfall
möglicherweise positiv, bei einem
Trommelfellbarotrauma jedoch
ungünstig. Für Kinder empfielt sich
eher “Paracetamol” in entsprechender
Dosierung. Neben
Durchfallerkrankungen ist das
häufigste Problem von Tauchern die
Gehörgangsentzündung. Auch hier
sind vorbeugende Maßnahmen
möglich. Die wichtigste Maßnahme ist

das regelmäßige Ausspülen der Ohren nach den Tauchgängen mit klarem,
sauberem Wasser. Hierzu sollte das gleiche Wasser verwendet werden,
welches auch zum Trinken genutzt wird, und nicht das Wasser aus dem
Hahn. Zusätzlich können so genannte Taucherohrentropfen gute Dienste
leisten, die man sich in der Apotheke mischen lassen kann.

Triefende Nase

Für die Behandlung der
Gehörgangsentzündung eignen sich
vor allem “Panotile N”-Ohrentropfen
und “Floxal”-Augentropfen
(wohlgemerkt: gegen
Ohrentzündungen und zum Träufeln in
den Gehörgang!). Bei der Verwendung
von “Panotile N” gilt jedoch in jedem
Falle Tauchverbot (!), weil durch den
schmerzstillenden Zusatz der Tropfen
Druckprobleme der Ohren
möglicherweise nicht bemerkt werden.

Darüber hinaus gehören auch
Nasentropfen (zum Beispiel “Otriven”)
ins Reisegepäck, denn Klimaanlagen
und Zugluft können rasch zur Erkältung
führen. Hier ist wiederum zu beachten,
dass Nasentropfen für Kinder
schwächer konzentriert sind und die
Anwendung von Nasentropfen beim
Tauchen nicht unkritisch ist. Ebenso
sind Augentropfen wie “Berberil”
sinnvoll, denn Sonne und Wind können zu Bindehautreizungen führen.

Zum Schluss empfiehlt sich für besonders Vorsichtige, vor allem für
solche Urlauber, die in sehr entlegene Gebiete reisen, die Mitnahme eines
Breitspektrum-Antibiotikums und von sterilen Einmalspritzen und -kanülen.
In vielen Ländern werden Spritzen und Kanülen mehrfach benutzt und
zwischendurch nur gereinigt, aber nicht sterilisiert. Bei Reisen mit Kindern
sollte ein Fieberthermometer nicht vergessen werden.
Außerdem beachten: Wenn sich bei der Selbstmedikation die
Beschwerden nicht bessern, unbedingt einen Arzt aufsuchen. Mein
Ratschlag deshalb: Vor Reiseantritt auch an eine
Auslandskrankenversicherung denken.

 

von Dr. Claus-Martin Muth