Durchblick behalten

Tauchen ist ein Sport für Genießer, wobei für die meisten Taucher der
Genuss die optische Wahrnehmung der Unterwasserwelt ist. Ist das
klare Sehen jedoch durch
Augenkrankheiten gestört, ist leider auch
der größte Spaß beim Tauchen dahin. Und nicht zu vergessen: Es gibt
einige Augenkrankheiten, die durch das Tauchen verschlimmert
werden Können, und auch die Sicherheit kommt bei
Fehlsichtigkeit oft
zu kurz.
Grüner Star
Eine recht häufige Augenerkrankung,
die bis zur Erblindung führen kann, ist
der “Grüne Star” (Glaukom). Sie führt
unbehandelt zu einem Absterben
des
Sehnervs, also einem Prozess, der
unumkehrbar ist. Eine der häufigsten
Ursachen für diesen Prozess ist ein
chronisch erhöhter Augeninnendruck.
Schuld daran sind im wesentlichen
zwei verschiedene Formen
der
Erkrankung, nämlich das
“Weitwinkelglaukom” (entsteht meist
durch eine Abflussbehinderung des
Wassers in der Augenkammer) und
das “Engwinkelglaukom” (wird quasi
durch eine Einengung der
vorderen
Augenkammer hervorgerufen). Die
korrekte Unterscheidung gelingt nur dem Augenarzt. Taucher, die betroffen
sind, sollten unbedingt in Erfahrung bringen, welche Form bei ihnen
vorlegt, denn die
bestimmt ganz wesentlich die Tauchtauglichkeit.
Untersuchungen bei Tauchern und Schnorchlern konnten zeigen, dass
Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen beim chronischen
Weitwinkelglaukom nur geringe, schnell wieder
abklingende
Augendruckschwankungen erwarten lassen: Bei steigendem
Umgebungsdruck fällt der Augendruck sogar etwas ab. Beim Sinken des
Umgebungsdruckes während des Auftauchens steigt der Augeninnendruck
etwas an, fällt
an Land jedoch schnell wieder unter den Ausgangsdruck ab.
Hierdurch entsteht also keine Gefahr. Eine Tauchtauglichkeit ist gegeben -
allerdings nur dann, wenn der Sehnerv noch nicht geschädigt ist. Diese
Einschränkung ist
wichtig, denn durch eine tauchbedingte Engstellung der
Blutgefäße, etwa durch den Tauchreflex, Kälte oder auch erhöhte
Sauerstoffteildrücke, kann es zu einer Minderversorgung des Sehnervs
kommen. Auch besteht die
Möglichkeit von Mikroembolien durch kleinste
Gasbläschen, die einen vorgeschädigten Nerv weiter schädigen können.
Dies ist auch bei der anderen Form, dem Engwinkelglaukom, der Fall. In
Augen mit engem Kammerwinkel kann der
Anstieg des
Augeninnendruckes beim Auftauchen zum sogenannten Winkelblock-
Glaukom oder auch Glaukomanfall führen. Dabei kommt es zu einem
extremen Anstieg des Augeninnendrucks mit starken Schmerzen. Ein
enger
Kammerwinkel schließt deshalb die Tauchtauglichkeit aus, auch
wenn, wie oft in diesen Fällen, ein eigentliches Engwinkelglaukom nicht
bekannt ist. Bei Zweifel also den Augenarzt konsultieren.
Grauer Star


Eine andere, relativ häufige
Erkrankung des Auges ist der “Graue
Star” (Katarakt). Es handelt sich hier
um eine fortschreitende Eintrübung
der
Augenlinse, die unbehandelt ebenfalls
zur Erblindung führen kann. Da aber
hier nur der lichtbrechende Apparat
betroffen ist und nicht das
Reizleitungssystem (wie beim Grünen
Star), kann die Sehfähigkeit
durch
Entfernung der Linse wieder hergestellt
werden. Dies war schon den alten
Ägyptern bekannt, wo Priesterärzte mit
entsprechenden Instrumenten die
Linsen aus den Augen der Betroffenen
entfernten. Im Prinzip ist
die Therapie
auch heute noch so, nur dass gleichzeitig
Kunstlinsen in das Auge gesetzt werden.
Tauchtauglich?
Bei der Diagnose von Grauem Star
(“Linsentrübung im Auge”, Katarakt)
spricht dann nichts gegen das
Tauchen, wenn die Sehleistung
nicht
eingeschränkt ist. Tauchen mit
Druckluft führt sehr wahrscheinlich
auch zu keiner Verschlimmerung der
Eintrübung, wenn in den für
Sporttaucher üblichen Grenzen
getaucht wird. Allerdings ist bekannt,
dass
erhöhte Sauerstoffpartialdrücke
zu einem Fortschreiten der
Linsentrübung führen können, so dass
Betroffene besser nicht mit
sauerstoffangereicherten
Gasgemischen wie Nitrox tauchen
sollten. Ist der Graue Star
operationspflichtig geworden, besteht für mindestens sechs Monate nach
der OP absolutes Tauchverbot! Besser ist jedoch ein sechs- bis
zwölfmonatiger
Tauchverzicht, um wirklich stabile Narben zu erhalten,
denn andernfalls kann es zu einem Aufplatzen der OP-Narben kommen.
Ein Unterdruck in der Maske muss unbedingt vermieden werden! Im
Hinblick auf die bei der Operation
in das Auge eingesetzte Kunstlinse gibt
es nichts weiter zu beachten.


Glasauge
Viele Menschen haben durch Unfall oder Krankheit ein Auge verloren und
tragen nun ein Glasauge. Die Frage, ob damit getaucht werden darf, ist
nicht mit ja oder
nein zu beantworten. Die korrekte Antwort lautet:” Es
kommt darauf an” - nämlich, um welche Art Augenprothese es sich handelt.
Vielfach wird bei einer Entfernung des Auges versucht, die Augenmuskeln
zu
erhalten. Diese werden dann mit einer Kunststoffkugel vernäht, auf die
die hinten offene Augenprothese gesteckt wird. Damit kann unbedenklich
getaucht werden, da durch die Öffnung ein Druckausgleich in der Prothese
möglich
ist.
Muss jedoch die gesamte Augenhöhle ausgeräumt und stattdessen ein
Kunstauge aus Glas eingesetzt werden - welches komplett verschlossen ist
- besteht die Gefahr, dass dieses Glasauge durch den
steigenden
Umgebungsdruck beim Tauchen zerdrückt wird, also implodiert.
Fehlsichtigkeit
Die allermeisten Menschen, die mit
den Augen Probleme haben, leiden
aber glücklicherweise an keiner
Erkrankung des Auges, sondern sind
schlicht fehlsichtig
und benötigen
daher eine Sehhilfe. Die Gründe für
solche Fehlsichtigkeiten sind in der
Regal das Vorliegen einer Kurz- oder
Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung
oder Alterssichtigkeit.
Beim Ausgleichen der
Fehlsichtigkeit
muss darauf geachtet werden, dass
sowohl das Ablesen der Instrumente
möglich ist (Sehen in der Nähe) als
auch das sichere Erkennen von
Gefahren oder Handzeichen des
Tauchparters (Sehen in der
Ferne).
Und das gilt über und unter Wasser!
Ist eine solche normale Sehfähigkeit
gegeben, gibt es keine
Einschränkungen für das Tauchen.
Eine Besonderheit gilt allerdings für
Taucher mit starker
Kurzsichtigkeit.
Hier steht die Netzhaut sehr unter
Spannung, und dadurch kann es
spontan oder durch äußere Auslöser
(Erschütterung) zu
Netzhautablösungen kommen. Also
Vorsicht!
Wird eine Fehlsichtigkeit mit Kontaktlinsen ausgeglichen, kann beim
Tauchen noch ein spezielles Phänomen auftauchen: Viele Taucher, die mit
harten oder weichen
Linsen tauchen, berichten besonders nach
Tieftauchgängen, dass sie für eine gewisse Zeit verschwommen oder wie
durch Nebel sähen. Das lässt sich leicht erklären: Während der
Dekompression können sich in der
Tränenflüssigkeit zwischen Hornhaut
und Linse Stickstoffbläschen bilden und sich vorübergehend festsetzen.
Diese Bläschen führen zu einem leichten Aufquellen der Hornhaut,
wodurch sich die lichtbrechenden Eigenschaften
ändern: Es resultiert
“Nebelsehen”. Zu dauerhaften Schäden kommt es in der Regel nicht, und
durch besonders langsames Auftauchen und häufigen Lidschlag lässt sich
dieses Phänomen oft vermeiden.
Bleibt
für alle Taucher zum Abschluß eines festzuhalten: Bei
Augenproblemen gehört auch der Gang zum Augenarzt zum Check der
Tauchtauglichkeit!