krämpfe

So ein Krampf

Kennen Sie die noch? “Gorilla” war Ihr Name, und die Träger dieser
brettharten Flosse brauchten auch Beinmuskeln wie besagte
Klettermaxe. Gelobt sei, was hart macht! Noch mehr gelobt seien
rettende Helfer, denn leider hatten die wenigsten Taucher die
benötigte Muskulatur, um die kultigen Gummitreter zu bewegen. Das
Ende der Schwimmversuche war häufig von Muskelkrämpfen
begleitet.

Es ist eine Binsenweisheit: Letztendlich
kann auch die beste Flosse nur das
ans Wasser weitergeben, was die
Muskulatur des Beines, an dem Sie
hängt, zu leisten vermag. Kurz gesagt:
Schlaffe Muckis + hartes Flossenblatt =
Krampf wahrscheinlich! Solche
Muskelkrämpfe sind beim Schwimmen
mit Flossen alles andere als selten,
meist in der Wade. Und selbst
Leistungsschwimmer sind nicht davor
gefeit.
Doch worum handelt es sich bei einem solchen Krampf überhaupt?

Überraschung: Die Wissenschaft weiß es auch nicht genau.
Ein Krampf ist das heftige und damit schmerzhafte Zusammenziehen eines
ganzen Muskels. Die Ursachen können vielfältig sein, wichtig sind aber 1.
Kälte, 2. Sauerstoffmangel im Muskel selbst und 3. ungewohnte, aber mit
großer Intensität durchgeführte Bewegungen. Daher ist es sehr wichtig, die
Muskulatur vor einer Belastung aufzuwärmen, denn so wird die
Durchblutung angeregt. Dann ist es sehr ratsam, sich zunächst an das
Flossenschwimmen zu gewöhnen, und zwar mittels Flossen mit einem
weichen Blatt und einiger Schwimmstrecken. Dies ist zwar nicht vor jedem
Gerätetauchen nötig, regelmäßiges Training steht dennoch jedem Taucher
gut. Bei einem solchen Training “lernt” der Muskel nämlich, was von Ihm
erwartet wird, gleichzeitig verbessert er seine Koordination in der
Bewegung. Wird hingegen gleich mit einer sehr harten Flosse begonnen
(aha, die Gorilla!), ist der Muskel überfordert, es werden gleichzeitig zuviele
Fasern in Anspruch genommen, ein Krampf ist die Folge.
Doch selbst, wenn man alles ichtig macht und gut trainiert ist, kann ein
Krampf auftreten. Hier sind dann entweder extreme Bewegungen (etwa
beim UW-Rugby) schuld, oder Elektrolytverschiebungen des Blutes, wie sie
zum Beispiel bei stärkerer Flüssigkeitsverlusten durch große Hitze
und/oder starker und länger dauernder Anstrengung auftreten.

Tritt der Krampf einfach so beim
Flossenschwimmen auf, kann der
Muskel durch vorsichtiges und
langsames Dehnen wieder
“entkrampft” werden. Ist die
Wadenmuskulatur betroffen, dreht man
sich dazu im Wasser zweckmäßig auf
den Rücken (im Freiwasser an der
Oberfläche das Jacket aufblasen!),
greift bei angewinkeltem Knie mit
beiden Händen das Flossenblatt der
betroffenen Seite und streckt dann
langsam das Bein, wobei die Zehen
Richtung Körper gezogen werden
(siehe Foto). Auch wenn der Krampf
sich löst, ist ein solcher Muskel nur
allzu gern bereit, erneut zu krampfen.
Also vorsichtig ab in Richtung Ufer
oder Boot, am besten in Begleitung.
Treten Krämpfe häufiger auf, etwa
auch Nachts und ohne erkennbare
Ursache, kann ein Magnesium-Mangel
vorliegen. Hier sollte dann nach
Rücksprache mit dem Hausarzt ein
Magnesiumpräparat eingenommen

werden. Und alle Sportler sollten natürlich an ein Auftanken der
Elektrolytbestände denken!

Stimmritzenkrampf

Während der Muskelkrampf schmerzhaft, aber nicht lebensbedrohend ist,
gibt es andere Krämpfe, bei denen es sehr schnell ums blanke Überleben
gehen kann.
Übeltäter Nummer eins ist der Stimmritzenkrampf, auch Laryngospasmus
genannt. Die Stimmritze ist jener Bereich im Kehlkopf, der zwischen den
Stimmbändern liegt. Diese Stimmbänder werden über Muskeln gleichsam
geführt und entweder in die “Parkstellung” oder die “Sprechstellung”
gebracht. Daher steht die Stimmritze offen wenn man sich anstrengt oder
atmet, aber sie ist nahezu verschlossen, wenn gesprochen werden soll.
Nur so können die Stimmbänder im Luftstrom schwingen. Zugleich erfüllt
die Stimmritze aber auch eine Schutzfunktion. Sie verhindert, daß
Flüssigkeiten ungewollt in die Lunge gelangen können, etwa beim Trinken.
Wenn daher Tröpfchen in die Taschen rechts und links neben den
Stimmbändern gelangen, führt das zu einem unwillkürlichen Verschluß der
Stimmritze, manchmal verbunden mit einem Hustenreiz (“Verschlucken”).
Allerdings kann es bei heftigerer Reizung auch so sein, Daß die Muskeln
quasi überreagieren und die Stimmritze auch nach Beseitigung der
Ursache fest verschlossen halten, es also zum Stimmritzenkrampf kommt.
In einem solchen Fall ist weder das Ein- noch Ausatmen möglich, so
daß es über Sauerstoffmangel und CO2-Anreicherung zur Bewußtlosigkeit
kommen kann. Da in Bewußtlosigkeit in der Regel auch die Muskulatur
erschlafft, löst sich der Stimmritzenkrampf meist. An Land setzt dann die
Atmung wieder ein oder eine Beatmung wird möglich. Passiert so etwas
aber unter Wasser, können die Folgen fatal sein: Eine Bewußtlosigkeit
unter Wasser führt leicht zum Ertrinken, ein Aufstieg beim
Stimmritzenkrampf aber fast sicher zur Lungenüberblähung und eventuell
einem Riß! Die einzige Regel lautet: Auf keinen Fall auftauchen! Und es ist
als Tauchpartner alles andere als leicht, jemanden in Todesangst unter
Wasser zu halten und so unter Umständen in Kauf zu nehmen, ihn dort
bewußtlos werden zu lassen. Trozdem sind die Chancen insgesamt
noch besser als bei einem Lungenriß nach dem Auftauchen unter
Stimmritzenkrampf. Die mögliche Ursache für ein solch dramatisches
Ereignis ist oft banal: Wasserreste im Lungenautomaten, die als Tröpfchen
in der Einatmung angesogen werden...

Sauersoffkrampf

Seltener, aber genauso gefährlich: der Sauerstoffkrampf. Genau heißt er
eigentlich “sauerstoffinduzierter Krampfanfall” und ist Ausdruck einer
Reaktion des Gehirns auf erhöte Sauerstoff-Teildrücke. Eine wirklich harte
Grenze, bei der mit solch iner Reaktion gerechnet werden muß, gibt es
nicht. Inzwischen ist aber bekannt, daß die Wahrscheinlichkeit des
Auftretens im Wasser ab einem Sauerstoffteildruck zwischen 1,4 und 1,6
bar sprunghaft zunimmt. Auch hier sind die exakten Abläufe im Gehirn
noch nicht völlig geklärt. es kommt jedoch, einem epileptischen Anfall
extrem ähnlich, zum Auftreten sogenannter Krampfpotentiale, also
ungeordneten Erregungen des Gehirnes, die Impulse unter anderem zur
Muskulatur senden und so zu zuckenden Krämpfen der Skelettmuskulatur
führen. Klar, daß ein Auftauchen während des Krampfes, welcher mit
einem unwillkürlichen Luftanhalten einhergeht, ebenfalls zur Überblähung
der Lunge führen kann, aber gleichfalls das Ertrinken möglich ist. Ganz
wichtig ist, daß auch ein Taucher, der wegen eines sauerstoffinduzierten
Krampfanfalls verunglückt ist (also eine “Sauerstoffvergiftung” hat),
unbedingt nach Rettung Sauerstoff verabreicht bekommen soll.

von Dr. Claus-Martin Muth