Auf den Zahn gefühlt

Zahnschmerzen - bei manchen Menschen Auslöser ganzer
Angstschweissbäche auf der Stirn. schon beim kleinsten Zipperlein
laufen in Gedanken die Horrorszenarien
einer Wurzelbehandlung ab.
Bloß nicht hin, zum Zahnarzt! Aber ist das der richtige Weg? Wer sein
Gebiss mangels Pflege und Renovierung sich selbst überlässt, spielt
mit seiner Tauchtauglichkeit!
Lochfraß
Zu Zahnschmerzen kann es beim
Tauchen durch vielerlei Dinge
kommen. So können sogar solche
Leute betroffen sein, die besonders
eifrige Zähneputzer sind.
Hier mögen
die Zähne zwar weitgehend frei von
Karies sein, dafür ist häufig das
Zahnfleisch weggeschrubbt, und die
empfindlichen Zahnhälse liegen frei.
Dadurch kann allein schon das Atmen
der kalten Luft über den
Automaten
sehr unangenehm sein. Besonders
aber durch kaltes Wasser an den
Zähnen, zum Beispiel bei der
Wechselatmung oder beim Tarieren
mit dem Mund, können Schmerzen
entstehen. Betroffene sollten daher mit ihrem Zahnarzt darüber reden,
denn der kann durch Auftragen von Zahnlack, der die kleinen
Dentinkanälchen verschließt,
oder durch Füllungen, zumindest teilweise für
Abhilfe sorgen. Beide Lösungen sind allerdings nicht von ewiger Dauer,
und vor allem die Zahnlackbehandlung muss in gewissen Abständen
wiederholt werden.
Natürlich können
auch kariöse Zähne zu heftigen Schmerzen führen.
Schmerzauslöser ist meistens auch ein Kältereiz, ein kräftiger Biss auf das
Mundstück des Lungenautomaten oder schlicht die komprimierte Atemluft.
Druckbedingte Probleme
können nur bei bereits vorgeschädigten Zähnen
auftreten. Nicht nur bei der noch unversorgten Karies ist das möglich,
sondern auch nach einer zahnärztlichen Behandlung, wenn der Abschluss
zwischen Zahn und Füllung nicht
vollständig ist. Meistens sind diese
““Luftpolster” Folge des Alterungsprozesses der Füllung. Auf jeden Fall
sollte eine zahnärztliche Kontrolle und gegebenenfalls ein Austausch
erfolgen.
Auch das
Material der Füllungen kann bei Problemen eine gewisse Rolle
spielen. So ist Amalgam bei Patienten mittlerweile recht unbeliebt, bei
vielen Zahnärzten jedoch nach wie vor ein Favorit, weil damit sehr gute
Ergebnisse
erzielt werden können. Gold und auch Keramik eignen sich für
Taucher sowohl als Inlays als auch als Kronen, wenn die Zementierung
möglichst blasenfrei erfolgt. Kunststoffüllungen sind für Taucher weniger
geeignet, weil
sich dabei Bläschen in der Füllung bislang kaum vermeiden
Lassen.
Wurzelrechnung
Besonders wichtig ist auch eine Versorgung lebloser, also nervlich
abgestorbener Zähne. Diese können beim Tauchen
besonders in der
Auftauchphase Probleme bereiten. Zudem werden gelegentlich Zahn- und
Wurzelabszesse nach dem Tauchen beobachtet. Bei der Behandlung
solcher Zähne gibt es zwei Möglichkeiten: die radikale, die heute nur
noch
bei nicht erhaltungswürdigen, also schwerst kariös zerstörten Zähnen
primär angewendet werden sollte, und die zahnerhaltende Lösung.
Während im ersten Fall der Zahn einfach gezogen wird, wird im zweiten
Fall der
Nervenkanal gesäubert, mit einer Füllung verschlossen und der
Zahn wieder aufgebaut. In beiden Fällen gibt es für Taucher etwas zu
beachten: Nach einer Zahnextraktion sollte so lange mit dem Tauchen
gewartet werden, bis
die Wunde völlig reizlos und verschlossen ist -
andernfalls könnte es zur Entzündung kommen.
Von ganz besonderer Bedeutung ist eine Tauchpause nach
Zahnextraktionen im Bereich des Oberkiefers, weil hier die Zähne mit
ihren
Wurzeln nicht selten bis in die Kieferhöhlen hineinreichen. Aus diesem
Grund empfiehlt sich eine Tauchpause bei gezogenen Oberkieferzähnen
von mindestens 14 Tagen, im Unterkieferbereich von 5 bis 7 Tagen
(jeweils
bei unkomplizierten Verläufen).
Bei Wurzelbehandlung und Zahnerhalt sollte mit dem Tauchen bis zum
Behandlungsabschluss gewartet erden. Und wichtig: Bei der
Zahnbehandlung muss die Füllung der Wurzelkanäle ohne
Lufteinschlüsse
erfolgen.
Die Dritten im Mund
Mitunter hilft bei der Zahnbehandlung auch nur die prothetische
Versorgung. Handelt es sich dabei um Überkronungen, muss auf
sorgfältige Abschlüsse und
wenig eingeschlossene Luft geachtet werden.
Bei knochenverankerten Implantaten (künstlichen Wurzeln) als Zahnersatz,
wenn also Metallstifte im Knochen verschraubt werden und darauf der
Zahnersatz gesteckt wird, muß vor dem
Tauchen die völlige Einheilung
gegeben sein. Hier ist eine längere Pause von mindestens drei Monaten
abzuwarten, weil erst dann die knöcherne Einheilung im wesentlichen
erfolgt ist.
Für herausnehmbaren Zahnersatz ist
wichtig, daß er gut und fest sitzt.
Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein kompletten Zahnersatz oder
um herausnehmbare Teilprothesen handelt. Es ist nämlich nicht nur
peinlich, wenn bei der Demonstration der
Wechselatmung das Gebiß noch
am Mundstück hängt, sondern der Verlust des Zahnersatzes kann auch zu
unüberlegten Aktionen zur Rettung des guten Stücks verleiten. Außerdem
kann der Verlust das Festhalten des Lungenautomaten
im Mund unmöglich
machen.
Ein Verrutschen der Prothese kann mitunter zum Husten- oder Würgereiz
führen, der wiederum Panik oder Ertrinken zur Folge haben kann.
Zahnfleisch & CO
Bleiben noch
die
Zahnfleischerkrankungen. Auch hier
gilt, dass Problembereiche zahnärztlich
zu behandeln sind, wenn beim
Tauchen alles schmerzfrei ablaufen
soll. Tiefe Zahnfleischtaschen können
durch Eindringen von Luft,
welche bei
Druckreduktion nur verzögert
entweicht, sowohl zu Schmerzen als
auch zu Entzündungen führen.
Zahnfleischentzündungen können
durch die mechanische Reizung durch
das Mundstück des
Lungenautomaten
bluten, oder es kann sich zur
chronischen noch eine akute
Entzündung hinzugesellen. Aus diesen
Gründen sollten solche kritischen
Bereiche fachgerecht saniert und
während der Behandlung
nicht
getaucht werden.
Fazit: Taucher müssen auch ihrem
Zahnarzt regelmäßig einen Besuch
abstatten, um immer fest zubeissen zu
können und tauchtauglich zu bleiben.
